Christian Rieger

personal Blog

Weiße Elefanten

| Keine Kommentare

Einst schmückten sie die Flagge von Siam, dem heutigen Thailand (1855-1916), heute sieht das etwas anders aus.

In der Entwicklungspolitik werden manchmal Entwicklungsprojekte, die viel kosten, soziale und ökologische Schäden anrichten und geringen Nutzen bringen (z. B. umstrittene Staudammprojekte) als „Weiße Elefanten“ bezeichnet.
Weißer Elefant – Wikipedia

Wie einigen Lesern sicherlich bekannt, beginnt in 10 Tagen die 19. Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika.
Was fällt einem bei einem kurzen Brainstorming zu Südafrika ein?

  • Kap der Guten Hoffnung
  • Niederländische Kolonialzeit
  • Burenkriege
  • Sklavenhandel an das Britische Königreich
  • Apartheid
  • Nelson Mandela
  • Kruger-Rand

Schaut oder liest man den einen oder anderen Bericht über dieses Land und die Vorbereitungen zur FIFA Fußball WM wird einem schon ein wenig komisch in der Magengegend. Für jeden Spielort muss selbstverständlich ein eigenes Stadion gebaut werden (dazu gleich mehr) wovon man ausgehen kann, dass diese Stadien mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit nie wieder ausverkauft sein werden. Warum ist das so? Fußball ist in Südafrika nur halb so populär wie Rugby. Fußball ist eher bei der farbigen Bevölkerung Populär, bei der weißen Bevölkerung sind es Rugby und Cricket. Die großen Städte mit ihren Spitzenvereinen locken, sowohl beim Fußball als auch beim Rugby, relativ viele Menschen ins Stadion. Insgesamt schaut man in den ländlichen Gegenden die Spiele vor dem Fernseher sofern im Dorf verfügbar.

Die Spielorte im Überblick:

  • Soccer City in Johannesburg, 94.700 Plätze, Kosten: ca. 321 Mio. €
  • * Moses-Mabhida-Stadion in Durban, 69.957 Plätze, Kosten: ca. 193 Mio. €
  • * Cape Town Stadium in Kapstadt, 68.000 Plätze, Kosten: ca. 280 Mio. €
  • Coca-Cola Park in Johannisburg, 70.000 Plätze , Kosten: 3,5 Mio. €
  • Loftus-Versfeld-Stadion in Pretoria, 51.762 Plätze
  • * Nelson-Mandela-Bay-Stadion in Port Elizabeth, 46.000 Plätze, Kosten: ca. 118 Mio. €
  • Free-State-Stadion in Bloemfontain, 48.000 Plätze
  • * Peter-Mokaba-Stadion in Polokwane, 45.000 Plätze, Kosten: ca. 118 Mio. €
  • * Mbombela-Stadion in Nelspruit, 46.000 Plätze
  • Royal-Bafokeng-Stadion in Phokeng, 42.000 Plätze

(* = Neubau für die Wm 2010)
Es wurden also 5 komplett neue Stadien gebaut zu lasten der dortigen Steuerzahler.
Wenn man bedenkt, dass in einigen dieser Stadien nur die Vorrundenspiele ausgetragen werden (4 Spiele) ist das schon eine recht hohe Investition.
Durban bekam einen neuen Flughafen. Als der King Shaka International Airport wurde der alte Durban International Airport geschlossen. In Durban wurden 2009 4,4 Millionen Passagiere abgefertigt, der neue Flughafen kann 7,5 Mio. Passagiere abfertigen. Man fragt sich nur ob das langfristig nötig ist.

Zwangsumsiedlungen wurden da schon mal für so ein Weltereignis billigend in Kauf genommen, hier und da sind mal Straßenkinder im Weg und ganz klar ist auch noch nicht, was die dortigen Einwohner von diesem Event haben. Viele Arbeiten an Stadien wurden von ausländischen Unternehmen geleitet und durchgeführt.
Aber immerhin können sich die großen Zubringerstraßen jetzt mit der Euro Norm 1317 für Rückhaltesysteme an Straßen schmücken.

Klar kann man argumentieren, dass die Erneuerung der dortigen Infrastruktur positiven Einfluss hat aber es ist immer noch fraglich, wie die langfristige Instandhaltung finanziert werden soll. Südafrika ist sicherlich kein dritte Welt Land mehr aber es darf auch nicht vergessen werden, dass immer noch sehr viele Menschen in Slums leben und die Trennung von weißer und schwarzer Bevölkerung noch immer ein akutes Problem darstellt. Stefan Szymanski sagte dazu: „Der Weltcup wird keine Dollars vom Himmel regnen lassen“.

Ich bedaure sehr, dass für so ein Event die rosa-farbende Brille aufgesetzt wird um über all die Missstände hinweg zu täuschen. Die FIFA um Herrn Joseph S. Blatter stellt das ganze natürlich in ein PR-taugliches Licht und bestätigt das hohe Niveau der Transportsysteme, Telekommunikation, Hotellerie und der medizinischen Versorgung, lediglich bei der Sicherheit ist man sich noch uneinig…

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Fußball-Weltmeisterschaft_2010

http://de.wikipedia.org/wiki/Südafrika

http://www.focus.de/sport/fussball/wm-2010/fifa-chef-blatter-geheimniskraemerei-in-suedafrika_aid_333393.html

http://www.abahlali.org/node/6645

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*